Karneval und Fastenzeit:Vorwort

Und so feiern wir Karneval. Kirche und Karneval sind zutiefst miteinander verwoben. Es geht um die Beziehung des Menschen auf der Erde hier unten und dem Himmel da oben. Karneval heißt deshalb ja Fasteleer oder Fastelovend, weil es sich um den Abend handelt, bevor das Fasten beginnt. Ab Aschermittwoch bereiten wir uns 40 Tage lang vor auf das Osterfest. Eine Zeit des Fastens, der Buße und von Werken der Nächstenliebe. Um dann schließlich am Osterfest in den Jubel der Auferstehung einzustimmen. Hier wird gefeiert, dass Gott der Herr ist über Himmel und Erde und über alles Dasein. Und dass wir vor Gott dankbar singen, spielen und tanzen dürfen! Und deshalb lachen die Christen zusammen mit den Karnevalisten über all die vielen Dinge, die uns täglich gefangen nehmen und die uns hindern, frei und heiter zu leben. Denn der gläubige Christ weiß gut Bescheid: Der liebe Gott ist immer da, er ist stets bereit, mich zu behüten und zu tragen – auch wenn ich noch so sehr müsst klagen. Es hilft ja alles nichts: Man kann nicht ständig nur klagen und sich aufregen über die verrückt gewordene Welt. Es braucht hin und wieder auch den inneren Abstand von den Dingen dieser Welt und die Kraft darüber zu lachen, sozusagen einen göttlichen Abstand.
Das Karnevalsmotto in diesem Jahr heißt: „Alaaf – Mer dun et för Kölle!“ Und genau das trifft den Kern. Köln lebt davon, dass unzählige Menschen – in Vereinen, in Pfarrgemeinden, in sozialen Projekten, in Chören, auf den Straßen – ihr Herzblut geben. Karneval ist da ein starkes Bild: Wir ziehen zusammen los, wir singen, lachen, feiern. Vielleicht steckt im Karneval ja schon ein Stück Himmel auf Erden: Wo Menschen füreinander da sind, wo die Freude geteilt wird, wo Gott mitten unter uns lacht.
Und dann kommen Aschermittwoch und die Fastenzeit. Sie ist mehr als der Verzicht auf bestimmte Speisen oder Gewohnheiten. Sie ist eine Einladung, innezuhalten und neu auf unsere Zeit zu schauen: Wie verbringe ich sie? Wofür setze ich sie ein? Was nährt mein Leben – und was raubt mir Kraft?
In der Sonderzeit der Fastenzeit spüren wir vielleicht besonders, dass unser Leben oft „zersplittert“ ist, wie es der heilige Augustinus beschreibt. Doch gerade in dieser Zersplitterung kann sich eine tiefe Wahrheit zeigen: Unsere Zeit ist aufgehoben in Gottes Ewigkeit. Gott hat sich selbst auf unsere Zeit eingelassen – in Jesus Christus. Er kennt unsere Begrenztheit, unsere Müdigkeit, unsere Tränen. Und er verheißt: Die Zeit ist aufgehoben in Gottes Ewigkeit.
So kann diese Fastenzeit zu einer Schule der Achtsamkeit werden. Vielleicht weniger Hast. Vielleicht mehr Stille. Vielleicht ein bewusstes „Noch eine Runde mit Gott“ im Gebet, im Lesen der Schrift, im Dasein füreinander. Oder bei den Kreuzwegandachten, die wir in diesem Jahr in St. Aposteln nach langer Zeit wieder freitags abends vor Abendmesse halten.
Leben wir aufmerksam und bewusst jede Zeit, jeden Augenblick. Und lernen wir, in der Zeit, die uns von Gott geschenkt ist, seine Gegenwart und sein Dasein zu entdecken. Und möge uns jede Zeit durch ihre Eigenart offen machen für den kraftvollen Einbruch der Ewigkeit in unseren Alltag.
Ihr und Euer Dr. Dominik Meiering, Pfr.