2. Fastensonntag:Impuls

Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Dort wird er vor ihren Augen verwandelt: Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden weiß wie das Licht. Neben ihm erscheinen Mose und Elija – Gesetz und Propheten, die großen Gestalten Israels. Und dann der Höhepunkt! Aus der Wolke ertönt die Stimme Gottes: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“
Für einen Moment fällt der Schleier. Die Jünger sehen, wer Jesus wirklich ist. Nicht nur der Wanderprediger aus Galiläa, nicht nur der, der heilt und lehrt – sondern wirklich der geliebte Sohn, ganz von Gottes Herrlichkeit durchdrungen. Wow! Besser geht’s nicht!
Petrus möchte diesen Moment festhalten: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind.“ Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl von Gipfelerfahrungen, die so überwältigend schön sind, dass Sie sich wünschten sie würden ewig andauern. -
Doch Jesus bleibt nicht auf dem Berg. Er führt die Jünger wieder hinab. Unten wartet die Realität, die nicht immer schön und angenehm ist. Krisen, Herausforderungen, Freudvolles und auch Leidvolles, Pflicht und Kür, all das passiert im alltäglichen Leben. Und für Jesus führt der Weg vom Berg hinab nach Jerusalem, ans Kreuz.
Die Verklärung steht zwischen Leidensankündigung und Passion. Sie ist kein Gegenbild zum Kreuz, sondern seine Deutung: Das Licht Gottes ist schon da – auch wenn der Weg dunkel wird. Die Herrlichkeit Gottes zeigt sich nicht erst im Jenseits.
Für uns als Kirche in der Innenstadt kann das heißen: Wir sind nicht berufen, uns auf spirituelle „Bergmomente“ zurückzuziehen. Unsere Sendung liegt unten im Tal – bei den Menschen in unserem Umfeld, und bei denen, die mit uns in dieser Stadt leben.
Vielleicht ist die Verklärung gerade für unsere Stadt eine Verheißung: Zwischen Beton und Verkehr, zwischen Hektik und Konsum leuchtet ein anderes Licht. Es fällt auf Christus – und durch ihn auf jeden Menschen.
Am Ende heißt es: „Als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.“ Alles Außergewöhnliche tritt zurück. Was bleibt, ist Jesus – und die Einladung, ihm zu folgen.
Es wäre wirklich toll, wenn in unseren Gemeinden erfahrbar würde, dass sie Orte sind, an denen etwas von diesem Licht aufscheint. Nicht unbedingt spektakulär, aber echt. Nicht abgehoben, sondern nah. Nicht besserwisserisch, sondern wertschätzend. Damit Menschen sagen können: Es ist gut, dass wir hier sind.
Im Namen aller Seelsorgerinnen und Seelsorger von Köln-Mitte, wünsche ich Ihnen eine schöne und gesegnete zweite Fastenwoche.
Uli Merz, Diakon und geistlicher Leiter von Kirche für Köln in St. Michael in der
Pastoralen Einheit Köln-Mitte