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Barmherzigkeitssonntag:Impuls

Thomas, einer der Zwölf Ich stelle mir Thomas als einen ziemlich vernünftigen Menschen vor. Nicht als Querulanten, nicht als schwierigen Charakter. Eher als einen, der in einer WhatsApp-Gruppe nicht sofort auf jede sensationelle Nachricht mit „Wow!!!“ reagiert, sondern erst mal denkt: Kann das stimmen? Die anderen schreiben: „Wir haben den Herrn gesehen.“ Thomas schreibt zurück: „Aha.“ ...
Katholisch in Köln-Mitte
Datum:
9. Apr. 2026
Von:
Marion Vosen

Das ist ein ehrliches Wort. Zweifel scheint zwar einerseits eine Charakterschwäche zu sein. Wer zweifelt, hat nicht fest genug geglaubt. Thomas ist das egal. Er bringt quasi das empirische Denken ins Neuen Testament. Und mal ehrlich: „Selig, die nicht sehen und doch glauben“ ist doch spätestens in unserer modernen Welt voller Fake News eine ziemlich fahrlässige Angelegenheit. Recherche ist ein Werkzeug, das moderne Ich-frag-mal-ChatGPT-Menschen zunehmend unnötig finden. Und schließlich: Ist es nicht auch eine Zumutung zu glauben, dass in einer Welt voller Lieblosigkeit und Verrücktheiten ausgerechnet die Liebe gewinnen soll? Eben.

Thomas jedenfalls bleibt in der Geschichte. Denn als Jesus wiederkommt, wird er nicht aussortiert. Auch kein Fußnotenhinweis: „Thomas, ehemals zweifelnd“. Sondern er bleibt einfach einer der Zwölf. Das ist vielleicht die eigentliche Pointe: Dass Zweifel nicht das Gegenteil von Glauben ist. Sondern womöglich sein ehrlichster Anfang.

Einen schönen Sonntag und eine gute Zeit wünscht

Peter Otten, Pastoralreferent in St. Agnes Seelsorgebereich Köln-Mitte