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2. Sonntag des Jahreskreises:Impuls

Das süße Lamm Johannes steht am Jordan und sagt einen Satz, der bis heute in jeder Messe routiniert gemurmelt wird: „Seht, das Lamm Gottes.“ Ein Lamm. Kein Löwe, kein General. Ein süßes Tier, das Kinder gerne streicheln und das im Restaurant doch auf dem Teller landet. Das süße Lamm ist eine Provokation. Aber wer ...
Katholisch in Köln-Mitte
Datum:
15. Jan. 2026
Von:
Marion Vosen

Impuls

heute ernst genommen werden will, muss laut, sichtbar und durchsetzungsfähig sein. Das Lamm Gottes ist das genaue Gegenteil. Es steht für Verletzlichkeit, für eine Macht, die nicht aus Dominanz entsteht. Modern könnte man sagen: Gott kommt nicht als Löwenbändiger der Geschichte, sondern als einer, der sich selbst in diese schwierige, raue Geschichte einreiht.

Und was trägt dieses Lamm fort? „Die Sünde der Welt.“ Johannes meint damit all das, was sich durch unsere Strukturen zieht: Angst, Gewalt, Gleichgültigkeit, die Logik des Stärkeren, das systematische Wegsehen. Die Sünde der Welt ist das, was wir „so ist es nun mal“ nennen. Und wovon ich doch selbst auch ein Teil bin. Das Lamm Gottes findet sich nicht damit ab. Und knüpft in die trostlose Logik der Welt das Band einer selbstlosen Liebe: „Ich geb dich nie verloren.“

Einen schönen Sonntag und eine gute Zeit!

Peter Otten, Pastoralreferent von St. Agnes in der Pastoralen Einheit Köln-Mitte