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24. Sonntag des Jahreskreises:Impuls

„Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Siebenmal?“ Petrus meint vermutlich, damit schon ziemlich großzügig zu sein. Doch Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ Und das bedeutet übersetzt: Immer! Wenn du mir nachfolgst, gibt es keine Ausnahme. Und dann erzählt er eine interessante Geschichte: Ein Mann hat bei seinem König eine riesige Schuld. Er kann sie niemals zurückzahlen. Der König erlässt sie ihm – einfach so. ...
Katholisch in Köln-Mitte
Datum:
20. Aug. 2026
Von:
Marion Vosen

Doch kaum ist dieser Mann draußen, trifft er einen, der ihm eine vergleichsweise kleine Summe schuldet. Er packt ihn, fordert sein Geld und lässt ihn ins Gefängnis werfen.

Die Geschichte trifft einen wunden Punkt im menschlichen Herzen: Die allermeisten Menschen können sehr genau unterscheiden zwischen dem, was ihnen andere schuldig sind, und dem, was sie selbst anderen schuldig bleiben. Das ist menschlich. Und es ist unfair.

Viele führen innerlich Listen. Sie erinnern sich daran, wer sie enttäuscht hat, wer sie verletzt hat, wer ihnen Anerkennung verweigert hat. Schmerzhafte Erfahrungen.

Vergebung bedeutet nicht, dass Verletzungen plötzlich ungeschehen sind. Und sie bedeutet auch nicht, dass wir alles hinnehmen oder keine Grenzen setzen dürfen. Die eigenen Grenzen zu kennen und für sie einzustehen, ist legitim und total wichtig. 

Das Großartige und gleichzeitig herausfordernde am Vergeben ist: Ich lasse nicht zu, dass das, was mir angetan wurde, mein Herz für immer beherrscht!

Unterstützend empfiehlt Jesus eine ehrliche und aufmerksame Selbsteinschätzung: Kannst du dich selbst als einen Menschen sehen, dem vergeben wurde?

Auch das ist schwierig, weil ich dann ja anerkenne, dass ich nicht perfekt bin und andere Menschen verletzte. Also verschließe ich davor lieber die Augen.

Jesus ermutigt aber zu diesem ehrlichen Blick, weil ich keine Angst haben muss: Gott führt keine Buchhaltung meines Lebens, in der am Ende die Soll- und Haben-Seite gegeneinander aufgerechnet werden. Seine Barmherzigkeit eröffnet immer wieder einen neuen Anfang.

Nicht jede Rechnung muss beglichen werden. Nicht jede Verletzung muss zurückgezahlt werden. Nicht jedes letzte Wort muss gesprochen werden.

Gerade in einer Stadt wie Köln, in der so viele unterschiedliche Menschen, Meinungen und Lebensentwürfe aufeinandertreffen, ist das eine wichtige Haltung. 

„Lävve un lävve losse“ – erstaunlich, wieviel Jesus in mancher kölschen Floskel steckt!

Im Namen aller Seelsorgerinnen und Seelsorger von Köln-Mitte, wünsche ich Ihnen eine schöne und gesegnete Woche.

Uli Merz, Diakon und geistlicher Leiter von Kirche für Köln in St. Michael im Seelsorgebereich Köln-Mitte