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Zum 3. Adventssonntag:Impuls

Jubelnde Wüsten in Essen Die Bibel ist voller Sätze, bei denen man sich fragt: Meint der das ernst? „Jubeln wird die Wüste“, sagt Jesaja in der Geschichte, die wir am Sonntag im Gottesdienst hören. Ich sehe vertrocknete Wälder im Sauerland, gestrandete Bahnfahrer in Oer-Erkenschwick, einen ukrainischen Deserteur in der U-Bahn – da blüht nichts. Und da habe ich die Zeitung noch gar nicht gelesen. Und trotzdem behauptet Jesaja: „Die Wende kommt, auch wenn du nichts mehr erwartest.“ Er sagt das damals zu Menschen, die alles verloren haben. Heimat, Identität, Zukunft. Und bleibt gegen alle Vernunft dabei: „Du wirst es sehen: Gerade dort, wo alles leer und dunkel ist, beginnt es zu blühen.“...
Katholisch in Köln-Mitte
Datum:
11. Dez. 2025
Von:
Marion Vosen

Impuls

Ich denke an das WDR-2-Weihnachtswunder, das am Samstag zum vierten Mal startet. Ein Glaskasten in Essen, fünf Tage lang Geschichten voller Hoffnung: ein Mann backt Brote und verschenkt sie gegen Spenden, Kinder ziehen mit schiefen Trompeten und Klarinetten durch die Straßen und sammeln Geld für hungernde Kinder. Verrückt: Da blüht ja wirklich was! „Stärkt die schlaffen Hände“, sagt Jesaja – hakt euch unter, traut euch wieder was, heißt das wohl. Beim WDR 2-Weihnachtswunder passiert genau das: Ganz normale Leute tun plötzlich verrückte schöne Dinge, weil sie ihr Herz sprechen lassen. Andere schließen sich an. Oasen entstehen.

Vielleicht steht Gott in diesen Tagen in den Schuhen der Radiomoderatoren, die fünf Tage lang in Essen Hoffnungsgeschichten erzählen. Oder hinter der Frau, die eine Spendenbüchse abgibt, obwohl sie selbst kaum weiß, wie sie durch den Januar kommt. Hoffnung verkleidet sich halt gern. Doch wo sie auftaucht passiert es: Lahme springen, Stumme finden Worte. Wüsten jubeln und blühen öfter, als man denkt, in Essen und anderswo.

Einen schönen Sonntag und eine gute Zeit wünscht

Peter Otten. Pastoralreferent an St. Agnes in der Pastoralen Einheit Köln-Mitte